Die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer wissen, dass sie ihre Nachfolge irgendwann regeln müssen. Nur wenige haben einen klaren Prozess dafür. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil das Tagesgeschäft immer dringender wirkt als eine Frage, die erst in einigen Jahren akut wird. Das Problem: Genau diese Logik ist es, die aus einer geplanten Übergabe einen Notverkauf macht.
Ein Muster zieht sich durch fast jeden Fall, der schief läuft: Es wurde nicht zu schlecht geplant. Es wurde zu spät begonnen oder gar nicht als Prozess verstanden, sondern als einmaliger Entscheid kurz vor der Pensionierung.
Fünf Ereignisse, die Ihre Nachfolge erzwingen, egal ob Sie bereit sind
In der Nachfolgeberatung gibt es ein einfaches Raster, das zeigt, wie eine Übergabe unfreiwillig ausgelöst werden kann:
- Tod
- Invalidität
- Scheidung
- Streit unter Miteigentümern
- finanzielle Notlage
Jedes dieser Ereignisse kann von einem Tag auf den anderen aus einer geplanten Nachfolge eine Erzwungene machen.
Nachfolgeplanungs-Prozess: vier Phasen bis zur Übergabe
Nachfolgeplanung ist kein einmaliger Termin im Kalender, sondern ein Prozess, der sich mit Ihrem Unternehmen mitentwickelt. In der Praxis lässt er sich in vier Phasen unterteilen:
- Wachstumsphase: Sie stellen die ersten Weichen, auch wenn die Übergabe noch weit weg scheint. Ein Führungsteam aufbauen, das später tragen kann. Prozesse so dokumentieren, dass sie nicht nur in Ihrem Kopf existieren.
- Konsolidierungsphase: Ihr Unternehmen hat sich etabliert, die Überlegungen werden konkreter. Erste Gespräche mit möglichen internen oder externen Kandidaten sind jetzt sinnvoll.
- 5 bis 10 Jahre vor dem geplanten Ausstieg: Jetzt wird der Prozess verbindlich. Das ist der späteste Moment, um aktiv zu werden, das Unternehmen in Form zu bringen und die passende Lösung zu finden.
- Unerwartete Ereignisse: Für den Fall der Fälle läuft der Prozess parallel weiter, unabhängig vom geplanten Zeitpunkt.
Die Faustregel: 5 bis 10 Jahre vor der Übergabe
Wer seine Nachfolgeplanung fünf bis zehn Jahre im Voraus angeht, hat drei Dinge, die ein Notverkauf nie hergibt: Zeit, Optionen und Verhandlungsmacht.
Zeit, um das Unternehmen von der eigenen Person unabhängiger zu machen. Optionen, um zwischen familieninterner Lösung, Verkauf ans Management oder an einen externen Käufer zu wählen, statt die einzig verbliebene zu nehmen. Und Verhandlungsmacht, weil Sie nicht verkaufen müssen, sondern verkaufen möchten.
Ein Beispiel, das wir oft sehen: Ein Inhaber schiebt Investitionen in ERP- oder Lagersysteme auf, weil er ohnehin bald verkaufen will. Genau diese Investitionen hätten den Wert gesteigert und gleichzeitig das Wissen von seiner Person gelöst. Am Ende stand ein tieferer Verkaufspreis und eine längere Einarbeitungszeit für den Käufer, was die Pensionierung selbst nochmals verzögerte.
Auch steuerlich zahlt sich Vorlauf aus. Wer nichtbetriebsnotwendige Werte frühzeitig aus der Firma löst oder beispielsweise eine Einzelfirma rechtzeitig in eine Kapitalgesellschaft umwandelt, spart am Ende real Geld. Diese Schritte dauern oft Jahre, nicht Wochen.
Die konkreten Vorteile eines sauberen Nachfolgeprozesses
Eine realistische, unabhängige Bewertung ist der Ausgangspunkt für alles Weitere. Unternehmer schätzen den Wert ihrer eigenen Firma erfahrungsgemäss zu hoch ein und falsche Preisvorstellungen sind einer der häufigsten Gründe, warum Verkäufe scheitern. Eine fundierte Bewertung zeigt nicht nur eine nachvollziehbare Preisspanne, sondern auch, wo die Werttreiber und die Risiken liegen - oft Jahre bevor der eigentliche Verkauf ansteht.
Genau diese Vorlaufzeit lässt sich nutzen: Ungenutztes Potenzial ausschöpfen, Abhängigkeiten von der eigenen Person reduzieren, Kennzahlen und Reporting auf Vordermann bringen. Käufer und Bewertungsmethoden sind zukunftsgerichtet, was Sie heute optimieren, zahlt sich im Preis von morgen aus.
Ihr Nachfolgeplanung-Prozess: die ersten vier Schritte
Sie müssen nicht sofort den vollständigen Plan haben. Diesevier Punkte reichen für den Start:
- Standortbestimmung: Wo steht Ihr Unternehmen heute, was sind Stärken und Schwächen, welche Kennzahlen zählen wirklich?
- Zielbild: Geht es um den maximalen Preis, den Erhalt der Arbeitsplätze oder die Übergabe an die Familie?
- Grober Zeitplan: Bis wann soll die Übergabe abgeschlossen sein?
- Erstes Gespräch: Mit einer Vertrauensperson oder einem M&A-Berater, um eine erste Einschätzung zu bekommen.
Bei der Nachfolgeplanung geht es nicht nur um Zahlen
Bei aller Struktur: Eine Nachfolge ist auch eine persönliche Entscheidung. Möchten Sie das Unternehmen in der Familie behalten oder ist ein Verkauf die bessere Lösung? Was passiert mit den Mitarbeitenden, mit der Philosophie, die Sie aufgebaut haben? Und was möchten Sie selbst mit der gewonnenen Zeit anfangen?
Diese Fragen lassen sich nicht in einer Tabelle beantworten. Aber sie beeinflussen jede Entscheidung im weiteren Prozess, deshalb gehören sie an den Anfang und nicht ans Ende.
Persönliche Beratung durch unsere Experten
Die Frage ist nie, ob Sie Ihre Nachfolge regeln müssen, sondern wann Sie den Prozess selbst in die Hand nehmen, statt ihn den Umständen zu überlassen.
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Unternehmen heute steht und wie Sie Ihre Nachfolgeplanung konkret angehen, stehen wir Ihnen zur Verfügung. Wir zeigen Ihnen in einem unverbindlichen Erstgespräch, welche Optionen Sie haben und was eine Unternehmensbewertung heute schon über Ihre Zukunft aussagt.
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